Das Raubtier mit seiner Beute

Der Chef der Online-Videothek Netflix, Reed Hastings (r) und der TV-Journalist Claus Kleber sitzen am 18.01.2016 in München (Bayern) bei der DLD (Digital-Life-Design) Konferenz auf dem Podium. Auf der Innovationskonferenz diskutieren hochkarätige Gäste drei Tage lang über Trends und Entwicklungen rund um die Digitalisierung. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Reed Hastings (r.) und der TV-Journalist Claus Kleber sitzen am 18.01.2016 in München bei der DLD auf dem Podium.

Der Stärkere setzt sich durch ist das wichtigste Gesetz des Darwinismus. Es gilt nicht nur in der Biologie, sondern auch für die Medienwelt. „Das macht der DLD gerne – er setzt das Raubtier mit seiner Beute auf eine Bühne und guckt, was passiert“, sagt Claus Kleber am Montagmorgen bei der DLD 2016.

Cleber, langjähriger Anchorman beim ZDF heute journal und ehemaliger USA-Korrespondent interviewt an diesem zweiten DLD-Tag Netflix-Chef Reed Hastings. Die Rollenverteilung ist klar: Cleber, als Vertreter unseres klassischen, linearen Mediensystems ist die Beute, gejagt vom Streaming-Giganten Netflix aka Hastings.

Netflix auf dem Weg zum global Player

Dabei wirkt Hastings überhaupt nicht gefährlich. Im Gegenteil: In Jeans, Sneakers und schwarzer Strickjacke sitzt der 56-Jährige auf der Bühne wie der nette Onkel, der ein bisschen aus seinem Leben erzählt – typisches Silicon-Valley-Understatement.

Erst vor wenigen Tagen wurde Netflix in 130 weiteren Ländern freigeschaltet. Damit ist der Streaming-Dienst fast überall auf der Welt verfügbar, außer in der Volksrepublik China, Nordkorea, Syrien und auf der Krim.

Wer eine Website produzieren kann, kann auch ein TV-Netzwerk haben

Auf die Frage, ob es künftig überhaupt noch Platz gibt für lineare Medien, antwortet Hastings: „Es gibt immer eine Tendenz, die Vergangenheit zu romantisieren.“ Jede neue Technologie bringe Bereicherungen und Verluste.

Die meisten Sender und Rundfunkanstalten produzieren immer noch lineares Fernsehen und stellen ihre Inhalte dann ins Netz. Allerdings gelte heutzutage: Wer eine Website produzieren kann, der kann auch ein TV-Netzwerk haben.

„Chinesische Blogger dachten, House of Cards wäre eine Dokumentation“

Netflix will sein Netzwerk noch weiter ausbauen, indem es überall auf der Welt investiert und produziert und alle Inhalte weltweit verfügbar macht. Außerdem steht China nach wie vor weit oben auf der Prioritätenliste. Doch räumt Hastings ein, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis es da zu einem Durchbruch kommt. „Apple hat sechs Jahre gebraucht, um das iPhone dort auf den Markt bringen zu dürfen“, so der Netflix-Chef.

Deshalb werde es noch einiger Verhandlungen bedürfen. Außerdem wird wohl noch das ein oder andere Verständigungsproblem bewältigt werden müssen. So hätten einige chinesische Blogger gedacht, dass es sich bei House of Cards um eine Dokumentation handelt.

von Verena Schälter

18.01.2016

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